Sie leiden, weil sie lieben

  • 26. Oktober 2020
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In einem Eierkarton sind zwei Eier in den LGBTQ+ Farben eingefärbt und werden von den andere Eiern komisch angeschaut.
Lesbische Frauen erleben oft Diskriminierung. (Foto: iStock)

In der Schweiz leiden homosexuelle Frauen oft unter Diskriminierung. Was sind die Gründe? Welche Veränderungen sind essentiell, um diesen Frauen einen sicheren Platz auf dieser Erde zu geben?

Jeder zehnte Schweizer hält gleichgeschlechtliche Liebe für unmoralisch. Das zeigt eine Erhebung der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Dirk Baier vom Institut für Delinquenz und Kriminalprävention an der ZHAW führte die Befragung im letzten Jahr durch. Unter den Ländern, die besser abschneiden als die Schweiz findet man Montenegro, Albanien und Irland.

Diskriminierung trotz Verbot

Personen mit einer höheren Ausbildung haben seltener eine homophobe Einstellung. Frauen seien im Vergleich zu Männern weniger homophob, speziell bei Jugendlichen. Bei männlichen Jugendlichen lag der Wert doppelt so hoch. Junge Männer sind also im Vergleich zu gleichaltrigen Frauen homophober.

Dass die Schweizer*innen für das Diskriminierungsverbot gestimmt haben, zeigt eine positive Wende. Homophobie ist seit Februar 2020 offiziell verboten. Das heisst aber noch lange nicht, dass Diskriminierung deswegen nicht mehr existiert. In der Familie oder unter Freunden erleben viele Frauen nach wie vor abstossende Reaktionen, so Anna Rosenwasser.

Eine Frauengruppe unterhält sich und lacht.
Ein Outing unter Freunden? Nicht einfach. (Foto: iStock)

Dass LGBTQ+ Menschen einen Selbstmordversuch begehen, ist viel wahrscheinlicher als bei Heterosexuellen. Das Risiko ist zwei- bis fünfmal so hoch. Das zeigen Zahlen vom Projekt «Schwule Gesundheit». Betroffene Jugendliche kommen nicht klar mit dem gesellschaftlichen Druck, so die Forscher. 

Häusliche Gewalt & Mord gegenüber Frauen

Anna Rosenwasser, Geschäftsführerin der Lesbenorganisation Schweiz LOS, kennt solche Geschichten: «Dass Frauen aus der Familie ausgestossen werden, kommt zum Glück eher selten vor. Wir haben dazu aber leider keine Statistik. Vielmehr erleben Frauen abstossende Haltungen nach einem Coming out. Sie dürfen zum Beispiel ihre Freundinnen nicht sehen, oder die Eltern drohen damit, ihr homosexuelles Kind in ein Internat zu schicken.»

Häufig sei es so, dass engste Bekannte, die eine Ablehnende Haltung haben, sich nicht mit Homosexualität befassen möchten. «Sie sind nicht bereit dazu und haben keinerlei Verständnis», so Anna Rosenwasser.

Sie bestätigt auch, dass lesbische Frauen öfter Opfer häuslicher Gewalt oder Mord werden. Das liege unter anderem daran, dass von Frauen erwartet wird, dass sie Familienmenschen sind. Das heisse nicht, dass es bei Männern nicht auch zu häuslicher Gewalt kommt. 

Pan, Queer, Bisexuell: Was?!

Nebst homosexuellen Frauen werden Menschen mit jeglicher nicht-heterosexuellen-Ausrichtungen oft Opfer von Diskriminierung. Unter dem Schirmbegriff «LGBTQ+» verstecken sich noch mehr sexuelle Ausrichtungen und Identitäten, die man vielleicht gar nicht kennt. Oft ist auch die fehlende Aufklärung Grund für eine abstossende Haltung gegenüber dieser Minderheiten. Hier ein Überblick über die gängigsten Sexualitäten:

  • Heterosexuell: Mann/Frau fühlt sich zum jeweils anderen Geschlecht hingezogen.
  • Homosexuell: Männer fühlen sich zu Männern hingezogen. Frauen fühlen sich zu Frauen hingezogen. Emotional, wie auch körperlich.
  • Queer: Menschen, die ihre sexuelle Orientierung nicht definieren wollen. Sie können z.B genauso heterosexuelle Beziehungen führen, wie auch homosexuelle. Queer ist ein Überbegriff für alle Menschen, die nicht Hetereosexuell sind.
  • Bisexuell: Eine Frau oder ein Mann fühlt sich emotional und sexuell von beiden Geschlechtern angezogen
  • Pansexuell: Diese Personen treffen in ihrem Begehren keine Vorauswahl nach Geschlecht bzw. Geschlechtsidentität.
  • Asexuell: Hier fällt die sexuelle Komponente weg. Diese Menschen binden sich emotional und haben keine, oder eine sehr geringe sexuelle Anziehung zu anderen Menschen.
  • Omnisexuell / Pansexuell: Hier spielt das Geschlecht, in das man sich verliebt, keine Rolle. Sei es ein Mann, eine Frau oder eine Trans-Person. Diesen Menschen ist der Charakter, die Persönlichkeit oder auch die Ausstrahlung wichtig, nicht das Geschlecht. 
  • Androsexuell: Ein Mensch fühlt sich hingezogen, wenn sich die andere Person männlich präsentiert, vor allem sexuell.

Weitere Beispiele sind hier zu finden.

Aufklärungsunterricht an Schulen

Anna Rosenwasser betont zudem, dass es essentiell sei, dass alle Schüler aufgeklärt werden darüber, dass es Schwule, Lesben, Trans etc. gibt. Nur so können sie urteilsfrei aufwachsen. «Die Medien spielen an dieser Stelle eine wichtige Rolle. Zeitungen, TV und Radios beeinflussen die Bevölkerung stark.» Daher sei auch die Berichterstattung wichtig.

All diese Fakten, die erläutert wurden, verdeutlichen, dass die Diskriminierung von Homosexuellen und anderen sexuellen Ausrichtungen noch immer ein Thema ist. Auch wenn Lesben in den Medien weniger thematisiert werden, ist es wichtig, sich der Thematik bewusst zu sein. 

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